Zeit zum Anfassen//Meine Zeitleiste

Um zu sehen, wie lange etwas noch dauern tut, haben Mama und ich eine Technik entwickelt. Meine Zeitleiste. Wie in der Bundeswehr, hat Mama mir erzählt. Das Mein Vater immer täglich 1 cm von einem Massband abgeschnitten hat. Damit er die Tage gezählt hat, wann er endlich nach Hause darf. Und dann haben wir das für mich auch so umgesetzt. Um die Tage zu zählen, bis das grosse Verenderung auf mich zu kommt. Wann alles ein Ende hat.

Kann mit die Hand fühlen, wie lange noch. Kann mit den Augen sehen, wie lange noch. Kann dadurch besser verstehen, wie lange noch.

Früher habe ich Mama ständig gefragt und genervt, wie lange noch. Das brauche ich nicht mehr, die Antwort gibt mir meine Zeitleiste. Sie verschaft mir durch sehen ein bisschen (bildliches) Zeitgefühl. Das, was mir fehlt. Gleichzeitig hilft sie mir die immer weniger werdendenTage zu zählen. Das wichtigste aber, sie wahrzunehmen. Wahrzunehmen, das der Zeit vergeht, das es nicht endlos und ziellos sein, sondern das es irgendwann ein Ende hat. Das der Tag kommt. Irgendwann habe ich alles überstanden. Leider nimmt es mir nicht die Angst, aber es nimmt mir die Angst vor der unendlichkeit, des Gefühls, das es nie ein Ende hat. Diese Angst bleibt das es nie ein Ende hat (ich fühle mich, als zerfalle ich in milliarden Puzzleteile und keiner kann mich zusammen setzen wieder und wünsche mir etwas, das mich fest umwickelt, damit ichbganz bleibe), es mir dauer so schlecht geht. Aber ich schaue die Leiste an, sehe oben ein Foto von mir vor meinem neuen Zuhause un dann weiss ich, das es immer irgendwann ein Ende hatte. Das es immer so ist. Mein Verdenken springt dann an, es kann die Angst nicht beseitigen, aber ich kann dadurch verstehen, das sie ein Ende haben wird.

Hinzu kommt eine angenehme Rutine. Täglich mich schneide 1 cm von der Leiste ab und habe mir es zum Ritual gemacht, dann in dem Moment bewusst es wahrzunehmen. An mein Ziel zu denken, wofür es sich lohnt all die Angst, die Unsicherheit, die Schmerzen, die unangenehmen Gedanken und alte Erinnerungen und das was ich nie zu benennen schaffe auszuhalten. Wofür sich mein innerer Krieg lohnt. Ich werfe den vergangenen Tag weg in den Mülleimer und bin dann froh, das wieder ein Tag des wartens vorbei ist. Und für mein Umfeld ein Tag vergangen ist, an dem ich noch anstrengender, komllizierter, unaushaktbarer, unangenehmer bin, als das schon so der Fall ist. Ich bin dankbar, das ein Tag weniger ist, ich näher meine Ziel kommen tun tu und Mama weniger alles abbekommt. Sie mich bald los ist, und nicht mehr alles abbekommt.

Steinzeit-Planet

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von kanner840 Veröffentlicht in Autismus

2 Kommentare zu “Zeit zum Anfassen//Meine Zeitleiste

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