Autismus

Autismus ist…

…zu allererst einmal kein Grund zur Verzweiflung. Oft liest man von Autismus als „Krankheit“, „tiefgreifende Entwicklungsstörung“ oder „geistige Behinderung“. Doch das ist nicht richtig. Autismus ist keine Krankheit sondern vielmehr eine bestimmte Wesensart. Eine Art zu sein. Das bedeutet natürlich nicht, dass alle Menschen im autistischen Spektrum vollkommen gleich sind. Ebenso wie alle anderen Menschen unterscheiden sich auch Autisten voneinander, sei es in ihren Fähigkeiten oder Vorstellungen, Gedanken, Gefühlen, Bestrebungen etc. Die Gründe dafür sind nicht wie lange vermutet die so genannten „Kühlschrankmütter“, sondern genetische Ursachen.


Das Gehirn unterscheidet sich dabei teilweise von dem eines Nicht-Autisten, beispielsweise in Bezug auf die neurologischen Verknüpfungen, was zu einer veränderten Reizwahrnehmung führt. Daraus folgt natürlich, dass Autismus keine Kinderkrankheit ist. Autistische Kinder werden erwachsen, aber dabei verändert sich ihr Gehirn nicht grundlegend, also sind sie weiterhin Autisten. Assoziationen, die viele Menschen mit dem Begriff „Autismus“ verbinden, sind oft das Unvermögen zu sprechen, Gefühlskälte und Teilnahmslosigkeit oder besondere Fähigkeiten. Im Grunde genommen sind das nicht mehr, als bloße Klischees. Manche Autisten fangen in der Tat spät an zu sprechen, es ist jedoch nicht so, dass sie generell nicht dazu in der Lage wären. Die scheinbare Gefühlskälte ist meist lediglich das Unvermögen, eigene Gefühle auszudrücken und fremde Gefühle nachzuvollziehen und besondere Fähigkeiten, die so genannten „Inselbegabungen“, sind eher selten. Ein Autist ist damit auf dem ersten Blick oft nicht von einem Nicht-Autisten zu unterscheiden. Daher kommt auch der Irrglaube Autismus sei besonders selten. Im Gegenteil: das Ergebnis neuer Studien besagt, dass sich mehr als ein Prozent aller Menschen im autistischen Spektrum befinden. Die verschiedenen Formen, wie Kanner, Asperger, atypischer und High Function Autimus sind dabei häufig nicht klar voneinander zu unterscheiden. Autismus ist damit kein „Zusatz“ an einen „normalen“ Menschen, sondern ein Teil der Persönlichkeit, der akzeptiert werden sollte. Wer versucht Autismus zu heilen, versucht einen Menschen grundlegend zu ändern und ihm einen Teil seiner Persönlichkeit zu nehmen. Damit tut man Autisten jedoch keinen Gefallen, den viele von uns sind sogar sehr zufrieden mit ihrem Leben und möchten mit Sicherheit nicht geheilt werden.

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